Unsichtbare Behinderungen

Unsichtbare Behinderungen stellen eine oft übersehene Realität dar, da sie nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.

Eure Geschichten

Unsichtbare Behinderungen stellen eine oft übersehene Realität dar, da sie nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Diese Form von Beeinträchtigungen, wie chronische Krankheiten oder psychische Gesundheitsprobleme, bringt Herausforderungen mit sich, die nicht offensichtlich sind.

Betroffene kämpfen oft mit Missverständnissen und Vorurteilen in der Gesellschaft, da ihre Herausforderungen nicht immer sichtbar sind.

Im beruflichen Kontext können unsichtbare Behinderungen zu eingeschränkter Belastbarkeit oder Konzentrationsproblemen führen. Für uns als EVG ist es entscheidend, das Bewusstsein für unsichtbare Behinderungen zu schärfen, um eine inklusivere und unterstützendere Umgebung zu schaffen. Respekt und Verständnis gegenüber unseren Kolleg:innen mit unsichtbaren Behinderungen sind der Schlüssel, um ihre individuellen Bedürfnisse zu erkennen und eine inklusive Gesellschaft zu fördern.

Wir haben mit Kolleg:innen gesprochen, die unsere ihre Geschichte erzählt haben. Solltest auch du uns deine Geschichte erzählen wollen, dann schreib uns einfach: Marco.Rafolt@evg-online.org

Liebe Kolleg:innen, ich möchte euch heute ermutigen einen neuen Blickwinkel einzunehmen, zu einem Thema, das oft im Schatten steht, obwohl es einen bedeutsamen Platz mitten in unserer Gesellschaft einnimmt: das Handicap.

Die Herausforderungen, vor denen Menschen mit Handicap stehen, sind real, aber allzu oft werden sie durch Klischees und Vorurteile überlagert. Ich möchte euch dazu ermutigen, die nicht betroffen sind, eine Perspektive einzunehmen, die auf Inklusion, Respekt und Gleichberechtigung basiert.

In unserer vielfältigen Welt begegnen wir Menschen mit unterschiedlichen Handicaps – physisch, sensorisch, geistig. Und jederzeit kann auch jeder und jede von uns im Laufe ihres Lebens ein Handicap bekommen. Doch während die Gesellschaft oft dazu neigt, Menschen durch ihre sichtbaren Einschränkungen zu definieren, sollten wir uns stärker darauf konzentrieren, die Vielfalt ihrer Fähigkeiten und Talente zu erkennen. Ein Handicap sollte nicht als Begrenzung betrachtet werden, sondern als ein Teil der einzigartigen Identität eines Menschen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Menschen mit Handicap nicht nach Mitleid suchen. Was sie verdienen, ist Respekt, Anerkennung und vor allem die gleichen Chancen wie jeder und jede andere auch. Schauen wir also über die offensichtlichen Hürden hinaus und erkennen wir die Stärke, den Willen und die Leidenschaft, die in jedem Einzelnen stecken, unabhängig von den äußeren Umständen.

Unternehmen sollten gleiche Arbeitsmöglichkeiten und unterstützende Umgebungen schaffen, um Talente und Potenziale zu fördern, ungeachtet etwaiger Handicaps. Auch wir als EVG werden uns verstärkt darum, kümmern, Hürden abzubauen und betroffenen Personen die Teilhabe und Einflussnahme zu ermöglichen. Die Statistiken drängen uns dazu, denn die einzige Personengruppe, bei der die Arbeitslosigkeit steigt, ist die der Menschen mit sogenannter Behinderung.

Es geht aber nicht nur um die Beseitigung physischer Barrieren. Es geht darum, eine Kultur der Inklusion zu schaffen, die Menschen mit Handicap als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft anerkennt. Das erfordert ein Umdenken, das Herausfordern von Stereotypen und das Brechen von Vorurteilen.

Menschen mit Handicap sind oft wahre Helden des Alltags. Sie überwinden nicht nur physische oder mentale Hürden, sondern inspirieren uns auch durch ihre Entschlossenheit und ihre Lebensfreude. Lasst uns von ihren Geschichten lernen und ihre Stärke als Quelle der Inspiration und Kraft für uns alle nutzen. Es ist an der Zeit, dieses Thema mit einem positiven und inklusiven Ansatz anzugehen.

Geschichten von Betroffenen

Chronische Migräne: „Nimm doch einfach eine Tablette“

Ich lebe mit einer unsichtbaren Behinderung: chronische Migräne. Von außen sieht man mir meine Einschränkungen nicht an, was oft zu Missverständnissen und mangelndem Verständnis führt. Ich möchte Einblicke in meinen Alltag und die Herausforderungen, die mit einer unsichtbaren Behinderung einhergehen, geben.

Die Diagnose chronische Migräne erhielt ich vor fünf Jahren. Zu Beginn waren die Anfälle sporadisch, aber im Laufe der Zeit wurden sie immer häufiger und intensiver. Die Schmerzen waren überwältigend, begleitet von Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen. Ich verbrachte viele Stunden in abgedunkelten Räumen, unfähig, alltägliche Aufgaben zu erledigen.

Eine der größten Herausforderungen ist das mangelnde Verständnis meiner Mitmenschen, auch meiner Kolleg:innen am Arbeitsplatz. Viele Menschen können nicht nachvollziehen, wie sehr Migräne das Leben beeinträchtigt, weil sie keine sichtbaren Symptome sehen. Kommentare wie „Du siehst doch gesund aus“ oder „Nimm doch einfach eine Tablette“ sind nicht selten. Solche Aussagen zeigen die Unsichtbarkeit der Krankheit und das fehlende Bewusstsein für ihre Schwere.

Im beruflichen Kontext sind meine Migräneanfälle besonders problematisch. Fehlzeiten führten zu Spannungen mit meinen Vorgesetzten und Kollegen. Obwohl ich meine Situation offen kommuniziert habe, gibt es immer wieder Zweifel an meiner Leistungsfähigkeit. Die Unsichtbarkeit meiner Behinderung verstärkt diese Zweifel, da mein äußeres Erscheinungsbild keine Hinweise auf meine Einschränkungen gibt.

Auch im sozialen Leben ist die Krankheit ein ständiger Begleiter. Spontane Treffen oder lange Abende mit Familie und Freunden sind selten möglich. Häufig muss ich Verabredungen kurzfristig absagen, was zu Frustrationen führt.

Um mit meiner unsichtbaren Behinderung umzugehen, habe ich verschiedene Strategien entwickelt. Ein strukturierter Tagesablauf mit regelmäßigen Pausen hilft mir, den Alltag besser zu bewältigen. Entspannungstechniken tragen dazu bei, Stress abzubauen und Migräneanfälle zu reduzieren.

Das Leben mit einer unsichtbaren Behinderung wie chronischer Migräne ist eine tägliche Herausforderung. Der Mangel an sichtbaren Symptomen führt oft zu Missverständnissen und mangelndem Verständnis. Trotz dieser Schwierigkeiten habe ich Wege gefunden, mit meiner Krankheit zu leben und meinen Alltag zu gestalten. Ich wünsche mir, dass unsichtbare Behinderungen mehr Anerkennung und Verständnis in der Gesellschaft finden, um Betroffenen ein erfüllteres und weniger belastetes Leben zu ermöglichen.

Der tägliche Kampf gegen gesundheitliche Hürden beeinträchtigt nicht nur körperlich

Die Stammzelltherapie im Jahr 2005 sollte eigentlich eine Hoffnung auf Besserung bringen, aber leider führten Komplikationen zu einem wahren Albtraum.

Eine Sepsis und das darauffolgende multiple Organversagen hinterließen nicht nur körperliche Narben, sondern zogen ein Netz aus Einschränkungen nach sich. Die Nieren arbeiten bis heute nicht hundertprozentig, die Leber ist durch die Medikamente schwer geschädigt, und Nervenschädigungen an den Beinen und Füßen bringen oft unerträgliche Schmerzen und Missempfindungen mit sich. Jeder Tag wird zu einem Balanceakt zwischen dem Versuch zu funktionieren und dem Umgang mit einem Körper, der immer wieder rebelliert.

Dieser tägliche Kampf hat nicht nur physische, sondern auch mentale Auswirkungen. Die Konzentration lässt nach, und nach sechs Stunden Arbeit fällt es schwer, überhaupt noch einen klaren Gedanken zu fassen. Das Leben wird zu einem ständigen Jonglieren mit den eigenen Grenzen. Die Teilnahme an beruflichen und familiären Aktivitäten wird zu einem Kraftakt, und oft bleibt nur die Rückzugsmöglichkeit, um sich von den Strapazen zu erholen.

In dieser Situation ist es eine ständige Herausforderung, nicht den Lebensmut zu verlieren, nicht von Depressionen übermannt zu werden. Die Sehnsucht danach, noch mithalten zu können, treibt dazu an, oft mehr zu verlangen, als der Körper leisten kann. Die Erkenntnis, dass man nicht mehr dieselben Leistungen erbringen kann wie zuvor, ist ein schmerzlicher Prozess, begleitet von Selbstzweifeln und einem ständigen Druck, der von innen kommt.

Doch trotz dieser emotionalen Achterbahnfahrt gibt es Lichtblicke. Die Unterstützung der Familie und die Solidarität der Kollegen sind wie Balsam für die Seele. Das bewusste Eingestehen der eigenen Grenzen und das Akzeptieren der eigenen Einschränkungen werden zu kleinen Siegen im großen Kampf. Die Liebe und Unterstützung der Menschen um einen herum werden zu einer unverzichtbaren Stütze.

Gleichzeitig ist da der Wunsch nach Verständnis von der Gesellschaft. Das Verbergen von nicht sichtbaren Behinderungen sollte der Vergangenheit angehören. Die Schaffung von mehr Sichtbarkeit, Aufklärung über die Herausforderungen und der Abbau von Vorurteilen sind nicht nur Wünsche, sondern eine dringende Notwendigkeit. Es geht nicht nur um den eigenen Kampf, sondern auch darum, dass die Welt um einen herum sensibler wird für die Vielfalt der Lebenserfahrungen. Es ist ein Appell, nicht oberflächlich zu urteilen, sondern sich Zeit zu nehmen, die Menschen hinter den Einschränkungen wirklich kennenzulernen. Es geht um mehr Menschlichkeit in einer Welt, die oft von Äußerlichkeiten geblendet ist.