Betriebsratswahlen 2026

Held:innen des Eisenbahn-Alltags

Held:innen des Eisenbahn-Alltags

Die EVG tritt querbeet mit gesund gemischten Kandierendenlisten an: mit erfahrenen und neuen Kolleg:innen, Frauen und Männern. Viele von ihnen machen als engagierte Kolleg:innen, ob mit oder ohne Betriebsratserfahrung, tagtäglich den Unterschied aus. Sie sind Held:innen des Alltags in den Betrieben. Wir haben vier von ihnen getroffen.

Alina Lorenz, AKN: „Ohne Betriebsräte verändern wir nichts“

Sie ist so etwas wie die stille Garantie dafür, dass Bahnhöfe auch dann weiterleuchten, wenn andernorts das Licht ausgeht. Alina Lorenz, Elektronikerin für Betriebstechnik bei der AKN.

Seit 2022 arbeitet sie bei der AKN Eisenbahn GmbH im Bereich Signal- und Fernmeldetechnik, Fachbereich S4. Ihr Team zählt fünf Leute. Sie kümmern sich um 50Hz-Anlagen, Sicherheitsbeleuchtung, Notstrom, Batterieanlagen und Dieselaggregate. Wenn das Netz versagt, sorgen sie dafür, dass die wichtigsten Bahnhöfe in ihrem Arbeitsbereich weiterbetrieben werden. Dazu kommen Ladeeinrichtungen für Züge und die Weichenheizung. Technik, die man selten sieht – aber sofort vermisst, wenn sie fehlt.

Zur Bahn kam Alina eher zufällig. Eigentlich Industrie. Motoren, Steuerungen, Regelungstechnik. Dann der Wunsch nach etwas Neuem. Eine Bewerbung, zwei Zusagen, eine Entscheidung. Heute sagt sie: die richtige.

Sie ist die einzige Frau im Team. „Für mich kein Thema“. Entscheidend sei der Charakter, nicht das Geschlecht. Was Kolleginnen und Kollegen an ihr schätzen, ist etwas anderes: ihre Haltung. Alina hört zu. Lässt ausreden. Sucht Lösungen statt Schuldige. Nach schwierigen privaten Jahren hat sie gelernt, dass schlechte Laune nichts repariert – weder Menschen noch Anlagen. Also hält sie die Fahne der guten Stimmung hoch, ohne Probleme kleinzureden. Respekt und klare Grenzen gehören für sie zusammen.

Vielleicht ist das ihr Heldinnenmoment im Eisenbahner-Alltag: nicht der große Auftritt, sondern das verlässliche Licht im Hintergrund – technisch wie menschlich. 

Alina steht auf Listenplatz 1 für die anstehende Betriebsratswahl, weil offenbar ihre Kolleginnen und Kollegen spüren: Sie meint es ernst. Mitbestimmung heißt für sie nicht nörgeln, sondern Verantwortung übernehmen. Wählen gehen ist für sie kein Ritual, sondern eine Chance. „Wenn man nicht hingeht, verändert sich auch nichts“, sagt sie. Man müsse die Gelegenheit beim Schopf packen.

Alina empfindet dabei vor allem eines: Verantwortung. Für ihr Team, für die Stimmung, für eine starke Stimme derer, die draußen am Gleis stehen.

Benedict Bier, DB FZI: „FZI braucht jede Stimme – nutzt die BR-Wahl!“ 

Der 32jährige Mechatroniker ist Eisenbahner aus Überzeugung – und im Werk Nürnberg einer, der Brücken baut, wenn andere nur Zahlen sehen. Wir durften ihn als Mensch kennenlernen, aber auch als einen von vielen „Helden des Eisenbahneralltags“.

Seit 2009 ist er bei der DB Fahrzeuginstandhaltung. Ausbildung im Werk, später Bremsschlosser, dann drei Jahre in der Personalabteilung als Bildungskoordinator. Er kennt die Halle, die Schreibtische und die Sorgen dazwischen. Seit September 2023 ist er freigestellter Betriebsrat; „und das mit Herz und Seele“, so Benedict.

„Gewerkschaft war für mich nie Nebensache“. Schon als Azubi trat er ein, wurde Jugendvertreter, später Betriebsrat, stellv. BG-Vorsitzender, ist aktiv im Ortsverband, im BSW, im Wahlvorstand. „Viel Ehrenamt, viel Verantwortung. Ich muss meinen Zeitplan gut organisieren, denn ich möchte an allem dran sein und niemanden allein lassen“.

Benedict hatte das Werk wachsen sehen, von 300 auf 900 Beschäftigte. Jetzt erlebt er den Rückbau. 

Wirtschaftlichkeitsprogramme, unklare Perspektiven, drohender Stellenabbau. Seine Rolle beschreibt er nüchtern: Übersetzer. Er erklärt, was wirklich gemeint ist, wenn der Arbeitgeber von „Maßnahmen“ spricht. Er geht täglich in die Halle, hört zu, bleibt stehen, auch wenn aus einer halben Stunde zwei werden.

Besonders stolz ist er auf die Jahre, in denen fast alle Auszubildenden übernommen wurden. Dass das nicht mehr selbstverständlich ist, trifft ihn ins Herz. Trotzdem hält er am Kern fest: Offen reden, ehrlich sein, Perspektiven suchen – notfalls im Konzernverbund. Deswegen sagt er von sich: „Ich bin ein Mediator – in beide Richtungen“.

Sein Appell an die Beschäftigten im Werk ist schlicht, kurz und intensiv: „Nutzt eure Stimme. Was über Jahrzehnte erkämpft wurde, bleibt nur, wenn man dafür einsteht“.

Patrick Buttafoco, DB FZI: „Ich bin Mittler und schützende Hand“ 

Wenn in Nürnberg am Rangierbahnhof das Telefon klingelt und irgendwo ein Problem hochkocht, fällt oft sein Name zuerst: Patrick Buttafoco. Der 39jährige ist in dritter Generation Eisenbahner. Für ihn ist das kein Beruf, sondern eine Lebenslinie.

Seit 2003 ist er bei DB Cargo. Er hat als EiB mit Fachrichtung Lokführer begonnen, war Bergmeister, Disponent. „Ich kenne heute jede Schicht, alle Abläufe und jede Betriebsstelle“, erzählt er. Das klingt nüchtern, ist aber sein größtes Kapital. Er weiß, wovon die Kolleginnen und Kollegen sprechen, weil er selbst dort gestanden hat, wo sie heute arbeiten. Vielleicht ist genau das sein Kapital als Betriebsrat und aktives EVG-Mitglied. 

Früh rückte er ins Betriebsratsgremium, engagiert sich in der EVG. Aus dem Jung-Gewerkschafter wurde schnell ein Ankerpunkt für den ganzen Bahnhof. Er war stets dicht an den Kolleginnen und Kollegen, weil „Betriebsratsarbeit findet draußen statt“, weiß er, „zwischen Gleisen und Dispo“. Man kann ihn jederzeit anrufen. Fällt jemand spontan aus, springt er schon mal selbst ein, obwohl er freigestellter Betriebsrat ist. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern um den Kontakt zur Realität zu behalten und die Arbeitsleistung in Nürnberg aufrechtzuhalten.

Kommt Kritik vom Arbeitgeber, stellt er sich vor „seine Leute“. Er prüft genau, ob Vorwürfe berechtigt sind. Ob Rangierer:innen, Disponent:innen oder Triebfahrzeugführer:innen; er weiß um ihre Aufgaben und Zuständigkeiten. Wenn Forderungen aus der Chefetage überzogen sind, geht er auch schon mal in die harte Diskussion. „Dafür sind wir da“, sagt er ruhig.

Patrick vermittelt, mahnt, kommuniziert zwischen den Fronten. Und er sagt über sich selbst: „Ich bin immer zuerst die schützende Hand der Beschäftigten.“ Vielleicht liegt genau darin sein Heldentum im Eisenbahner-Alltag: präsent sein, wenn andere längst Feierabend haben. Verantwortung übernehmen, wenn es ernst wird.

Christian Wolter, Marschbahn: „Ihr entscheidet über die nächsten vier Jahre“

Er sieht sich selbst als Terrier, der sich festbeißt und an Themen dranbleibt. Christian Wolter ist BR-Vorsitzender bei der Marschbahn. Auch er ist einer von vielen anderen „Helden des Eisenbahneralltags“ in unserer EVG.

Als Kfz-Mechaniker-Meister wechselte Christian 2019 zum Bahnbetrieb; in Husum bei der Marschbahn. „Ich stand nun zwischen gestandenen Eisenbahnern, die wissen, wie der Hase läuft“. Heute ist der Schlosser in der Werkstatt zugleich Betriebsratsvorsitzender im Ehrenamt. Gewählt 2022, obwohl er nicht einmal die meisten Stimmen hatte. Die anderen lehnten das Amt ab. „Ich nicht“, erzählt Christian. 

„Ich spüre, wie sehr man als Vorsitzender im Fokus steht“. Nicht immer kann er sich gegenüber dem Arbeitgeber vollends durchsetzen. Aber wenn nach einer Betriebsversammlung einer der rund 50 Werker:innen zu ihm sagt: „Das war gut, Christian“, dann weiß er, wofür er es macht. 

„Ob unklare Eingruppierungen. Wenn Schreiben fehlen. Wenn jemand mit vier Kindern Angst hat, am Monatsende ohne Geld dazustehen“. Er ist der Erste, den man anspricht. Er steht dann da, hört zu, hakt nach, bis etwas passiert. Er nimmt auch Themen mit nach Hause. Dann stehe Familie für den Moment auch mal hinten an. 

So, als der bisherige Betreiber Transdev die Strecke aufgab und ein Betriebsübergang zu DB Regio anstand, war ihm sofort klar: „Das wird kein Selbstläufer“. Also hat er sich reingekniet. Mit Anwältin, Paragrafen, langen Sitzungen. Die Werkstatt sollte ihren eigenen Betriebsrat behalten. „Wir haben gekämpft. Und gewonnen“, erzählt er stolz vom Ergebnis im vergangenen Dezember. „Das war hart. Auch für meine Familie“.  

Und wenn seine Kolleginnen und Kollegen seinen Namen hören? Dann möchte er, dass seine Mit-Werker:innen ihn ein bisschen mit einem Terrier vergleichen: Hartnäckig, bissig, der nicht lockerlässt und „einer von uns“ ist.